caseymongoven.com

Forschung

Forschungsinteressen

Forschungsschwerpunkte

Meine Forschung beschäftigt sich mit den von mir als wichtigsten betrachteten Forschungslücken auf grundlegenden Gebieten der Psychoakustik und musikalischer Ästhetik, zum Beispiel im Hinblick auf:

  • den ästhetischen Wert des goldenen Schnittes und der Fibonacci-Folge in der Musik.
  • den ästhetischen Wert und die Wahrnehmbarkeit der akustischen Spiegelsymmetrie.

In meinem Forschungsdesign nutze ich die Kraft der Sonifikation (d.h. der Schaffung akustischer Graphen), um Forschungsfragen systematisch mit mathematischem Wissen zu adressieren. Meine Experimente überbrücken die Grenzen zwischen Kunst und Wissenschaft, und verleihen dem Begriff experimentelle Musik neue Bedeutung.

Bisherige Studien

In meiner Doktorarbeit im Media Arts and Technology Department (MAT) an der University of California, Santa Barbara (Doktorvater: Dr. Curtis Roads) habe ich mich mit der Frage nach dem ästhetischen Wert des goldenen Schnittes und der Fibonacci-Folge in der Musik beschäftigt. Diese zwei mathematischen Objekte erfreuen sich heute großer Beliebtheit bei Komponisten. Trotz einer großen Bandbreite von Forschung zum ästhetischen Wert des goldenen Schnittes im visuellen Bereich wurde vor einem 2013 von mir durchgeführten Experiment keine entsprechende Forschung im akustischen Bereich betrieben. Das Experiment, das 170 Versuchspersonen in Anspruch nahm, wurde dazu entwickelt, die folgende Forschungsfrage zu beantworten: Haben Sonifikationen mathematischer Objekte, die der Fibonacci-Folge und dem goldenen Schnitt in enger Beziehung stehen, einen ästhetischen Vorteil über Sonifikationen mathematischer Objekte, die mit jenen nicht in enger Beziehung stehen? Die im Experiment verwendete Methode war ein 2AFC-Verfahren (Two-Alternative Forced Choice). Zwei Sonifikationen wurden den Versuchspersonen vorgespielt und sie wurden gefragt, welche Sonifikation sie am ästhetischsten fanden. Die Stimuli waren fünf Paare von Sonifikationen. Eine Sonifikation in jedem Paar stand dem goldenen Schnitt und der Fibonacci-Folge in enger Beziehung und die andere nicht. Die Ergebnisse zeigten, dass die Sonifikationen, die der Fibonacci-Folge und dem goldenen Schnitt grundsätzlich verwandt sind, insgesamt weniger ästhetischen Wert hatten als die Sonifikationen, gegen die sie konkurrierten (Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Test, p = 0.021).

Im November 2014 begann ich eine Zusammenarbeit aus der Ferne mit Claus-Christian Carbon am Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie und Methodenlehre an der Universität Bamberg. Vom Februar bis Juni 2015 führte ich ein Experiment mit 28 freiwilligen Versuchspersonen durch, das zur Erforschung der Wahrnehmbarkeit der akustischen Spiegelsymmetrie (z.B. wenn eine Tonfolge gespielt und anschließend rückwärts wiederholt wird) entwickelt wurde. Das Experiment wurde als Vorstudie zu einem umfangreicheren Experiment, das später durchgeführt wird, konzipiert. Versuchspersonen wurden eine Serie von neun symmetrischen Sonifikationen, neun teilweise symmetrischen Sonifikationen (mit ungefähr der Hälfte der gespiegelten Elemente verändert), und neun asymmetrischen Sonifikationen vorgespielt. Die Versuchspersonen wurden gebeten, die Sonifikationen einer dieser drei Kategorien nach einmaligem Hören zuzuordnen. Die Ergebnisse zeigten, dass Menschen eine gewisse Fähigkeit besitzen, akustische Spiegelsymmetrie zu erkennen (zweiseitiger t-Test, p < 0.001).

Zukünftige Projekte

Es sind derzeit Studien zur Beantwortung folgender Forschungsfragen in Vorbereitung:

  • Was ist der ästhetische Wert und Wahrnehmbarkeit üblicher kontrapunktischer Kunstgriffe wie Umkehrung oder Krebs (wenn eine Melodie z.B. umgekehrt bzw. rückwärts gespielt wird)? Wenn solche Kunstgriffe tatsächlich eine ästhetische Bedeutung haben, wird diese von Vorkenntnissen deren Einsatz beeinflusst (oder besteht dazwischen eine Korrelation)?
  • Was für eine Auswirkung haben einfache mathematische Kenntnisse der sonifizierten mathematischen Objekte auf den ästhetischen Wert jener Sonifikationen, oder allgemeiner formuliert: Was ist die Auswirkung von vorhandenen Vorkenntnissen über die Struktur einer Komposition auf ihren ästhetischen Wert?

Wichtige Forschungslücken, die teilweise aufgrund mangelnder passender Methoden existieren, werden durch die Beantwortung dieser und anderer Fragen geschlossen. Forschung zur Ästhetik und Wahrnehmung im akustischen Bereich ist deutlich weniger stark vertreten in der Literatur als ähnliche Forschung im visuellen Bereich, bei der die Anwendung der Mathematik und algorithmischer Techniken bei der Stimuluserzeugung üblicher ist. Dieser Mangel an passenden Forschungsmitteln im akustischen Bereich ergibt ein unausgeglichenes Bild der Wahrnehmung einiger psychoakustischen Phänomene. Die Anwendung der Sonifikation in der experimentellen Psychologie stellt eine ganz neue Methode dar, bestimmte Wahrnehmbarkeits- und ästhetische Phänomene im akustischen Bereich anzugehen. Der Hauptvorteil der Verwendung der Sonifikation von Datensätzen und mathematischen Objekten in empirischer Forschung ist nämlich, dass die Stimuli von der Natur her leicht quantifizierbar und mit anderen Stimuli vergleichbar sind; dies steht im Gegensatz zur Art von Stimuli, die typischerweise in ästhetischer Forschung oder Wahrnehmbarkeitsforschung in der Musik verwendet werden.